Commodore Amiga
1985
Der Rechner, der sein System von Diskette las
Der Amiga 1000 hatte sein System nicht im ROM: Er lud es von Diskette in einen Speicher, den er danach sperrte, das WOM, weil die Software 1985 noch nicht fertig war.
Als der Amiga 1000 1985 in die Läden kam, hatte AmigaOS noch viele Fehler. Statt es gleich ins ROM zu brennen, tat Commodore etwas anderes: Es baute eine Tochterplatine mit 256 KB RAM ein, den Writable Control Store, und lud den Kern des Systems, den Kickstart, von einer Diskette [1].
Beim Einschalten zeigt ein kleines Boot-ROM von nur 8 KB auf dem Bildschirm die Aufforderung, die Kickstart-Diskette einzulegen. Es kopiert 256 KB von der Diskette in die RAM-Chips der Tochterplatine, schützt diesen Speicher gegen Schreiben und springt hinein [2]. Praktisch sind es zwei kleine ROMs, eines für die unteren 8 Bit und eines für die oberen 8 Bit des Datenbusses, und der Kickstart liegt im selben Adressraum, in dem die anderen Amigas ihr ROM haben, von $F80000 bis $FFFFFF [4].
Einmal beschreiben, danach nur noch lesen: Die Europäer nannten es WOM, ein Wortspiel mit ROM.
In Europa wurde dieser Speicher als WOM bekannt, Write Once Memory, ein Wortspiel mit ROM: einmal beschreiben, danach nur noch lesen [1]. Weil er gesperrt bleibt, muss der Kickstart nach einem Reset nicht neu geladen werden; nur das Ausschalten löscht ihn [1]. Deshalb verlangt der A1000 beim Einschalten zwei Disketten: zuerst die Kickstart-, dann die Workbench-Diskette.
Der Vorteil war, dass sich das System mit einer neuen Diskette aktualisieren ließ. So lief der A1000 mit Kickstart 1.0 und 1.1 von 1985 und 1986 und danach mit 1.2 und 1.3 [3]. Manche Programme nutzten die Architektur sogar aus: Auf dem A1000 hatte Dragon's Lair eine Codeversion, die diese 256 KB für Daten verwendete [3]. Bei den folgenden Amigas, wie dem A500 und dem A2000, wanderte der Kickstart ins ROM, und der Start wurde schneller [3].
Die Idee starb nicht mit dem A1000. Die ersten Amiga 3000 luden den Kickstart ebenfalls von der Festplatte und ließen beim Start die Systemversion wählen, ohne zusätzliche Werkzeuge [3]. Und viele A1000-Besitzer gingen den umgekehrten Weg, mit Platinen, die den Kickstart ins ROM bringen. Der Kickstart Eliminator, heute als Open Source nachgebaut, verwendet vier EPROM 27C512 und ein programmiertes GAL und gibt die 256 KB des WOM sogar als freien Speicher für Programme oder eine RAM-Disk zurück [2].
Auf der Werkbank haben diese Platinen ihre Tücken. Ein Besitzer, der einen solchen Adapter in einen A1000 eingebaut hat, beschrieb falsch geführte Adressleitungen auf der Platine und eine /BYTE-Leitung, die er mit einem Draht auf 5 V legen musste, damit der Adapter im 16-Bit-Modus funktionierte [4].
Quellen
- [1]Amiga 1000 · Wikipédia (en)
- [2]Amiga 1000 Kickstart Eliminator · GitHub (schlae)
- [3]Kickstart (Amiga) · Wikipédia (en)
- [4]Installing a kickstart ROM adapter in my Amiga 1000 · Adrian Chadd's Ramblings, 2022